Mittwoch, 9. Mai 2012

Ostrov + Meteora = Belogradchik


Längerer Text, da längere Reise. Kürzel erklär ich ganz zum Schluss.
Idee und Vororga ging diesmal auf Flos und meine Kosten. Ausgewählte Leute, Sonne, Highlines, Urlaub.

Wie schon so oft beginnt alles bei Johannes. München ist irgendwie der beste Ausgangsort für alle und dort steht auch das übertrieben bepackte Auto bereit. Allein mit dem Gepäck wirkt die Tieflage schon bedrohlich und dann steigen auch noch eben dieser Hannes Olszewski, oldschool Florian "Stretch" Hansen, der seltene Gast Fabian Rupprecht, Azubi Clemens Augustin und meine Wenigkeit (Helmar) ein.1300km liegen vor uns. Über Umwege sind zum Glück noch 3 Gratis-Paletten RedBull bei uns gelandet, wir ahnen noch nicht dass bis zu unserer letztendlichen Ankunft 32h und fast ebenso viele Energydrinks Geschichte sein werden..

Willkommen in der EU
Schon allein Wien ist irgendwie immer viel weiter weg, als man denkt. Weiter gehts quer durch Ungarn, die erste Euphorie verfliegt, Ärsche und Beine schlafen ein, in 2er Teams fahren wir abwechselnd durch die Dunkelheit.
Ab Rumänien zeigt sich dann mal wieder, es glänzt bei weitem nicht alles was sich EU nennt. Autobahnen werden durch stundenlange Überlandfahrten ersetzt. Überall hängt Müll. Überall. Wird vom Wind über die Felder getrieben bis das Plastik an Hecken und Bäumen hängen bleibt. Genauso präsent sind die vielen Straßenhunde, egal ob tot oder lebendig. Das einzig Schöne ist der Sonnenaufgang. Die Bevölkerung wirkt sehr arm und alt, die Landflucht muss hier gewaltige Ausmaße angenommen haben. Immer wieder begegnen uns Pferdekarren, die sind zwar langsam, aber wenigstens nicht so wahnsinnig wie die Autofahrer, die mich nachts in meinen Träumen immer noch so knapp wie möglich überholen.
Blick in den Rückspiegel
An der Grenze geht's klischeebeladen weiter. Diese wird markiert durch die Donau, über welche man mit der Fähre übersetzen muss. Wir bezahlen vor der ersten Schranke die geforderten (ca.) 15€. Dann geht's vor zum Zöllner. Er mustert uns und unsere Ausweise relativ lang, Grund der Reise?, Kofferraum öffnen!, etc. . (Die Frage muss man jetzt mit sonem osteuropäischen Akzent lesen, ne.) "Habt ihr Schnaps dabei? Für mich?" Tja leider nicht, zum Glück machen ihn 3 Dosen RedBull aber ähnlich zufrieden, lächelnd winkt er uns durch.

Wir stehen vorm nächsten Häuschen mit Schranke. Wir sollen schon wieder was bezahlen, keine Ahnung wofür, die Sprachbarrieren sind zu groß. 30 Minuten später sind wir dann endlich auf dem Wasser.
Das Highlinemobil auf der Donau
Auf der anderen Seite kommen dann noch Hafengebühren auf uns zu... Außerdem Maut, obwohl Bulgarien nicht mal Autobahnen hat. Eigentlich meistens nicht mal Straßen in dem Sinne. Die Schlaglöcher sind abartig tief, Gullideckel fehlen mitunter einfach gänzlich, wer schneller als Schritt über einen Bahnübergang fährt, fährt danach definitiv gar nicht mehr. Für die letzten 50km vor der ersten Etappe brauchen wir locker 2 Stunden. Je weiter wir fahren, desto langsamer müssen wir werden.
Auf dem Weg finden wir eine völlig verwahrloste Frau im Straßengraben, auf ein Angebot auf Hilfe verstehen wir aus dem Gebrabbel nur "Wodka!".
Das ist also Bulgarien, das Land in dem man für "Ja" den Kopf schüttelt und bei "Nein" nickt. Nicht gerade der beste Ersteindruck.

Nach 23h haben wir aber dann aber gefühlt den ersten Spot erreicht. Devetaki Cave heißt der magische Ort. Wir kommen von oben an die gigantische Höhle, oben in der Decke 2 gigantische Löcher, unten fließt ein Fluss. Beeindruckende Kullisse, bester Fels, ein gelevelter Spot und ein BigSwing der Extraklasse wären möglich. Voll Vorfreude wollen wir nur noch kurz essen und dann endlich schlafen um am nächsten Morgen mit dem Riggen zu starten.

Mitten in Rumänien
Wir beschließen, unser Camp etwas unterhalb der Höhle an einem Fluss zu errichten, den man gut mit dem Auto erreichen kann. Auf dem Weg dorthin taucht plötzlich eine kleine Bauhängerwohnung auf, davor ein großer, grimmiger Hund. Als wir anhalten kommt ein dicker Bulgare raus und gibt uns zu verstehen, dass wir hier weg müssen. Er geht kurz wieder rein und kommt mit einer Pistole im Halfter wieder raus. Wir sollen gehen, wiederholt er. Es kommt trotzdem tatsächlich zu einer Art Gespräch, die Regierung hat jedes Betreten der Höhle untersagt. Wir fühlen uns sehr danach, diesen Mensch ernst zu nehmen. Unendlich enttäuscht treten wir die Weiterfahrt an. Kurz essen, noch n RedBull und die nächsten 5 Stunden Fahrt ziehen holprig durchs Land.
Bewegungs- und denkunfähig fallen wir auf einer Wiese in komatösen Halbschlaf.

nach der traurigen Devetaki-Nachricht
Der nächste Morgen ist klassisch. Wer im Dunkeln ankommt, ist am nächsten Tag immer völlig überwältigt vom eigentlich Landschaftsbild. Ein Hirte treibt seine Schafe an uns vorbei und lässt sich kaum stören, um uns herum sind schneebedeckte Berge und einzelne malerische Felstürmchen. Wir fahren noch ca. 30km weiter, bleiben alle Nase lang stehen und strecken uns die Hälse aus den Fenstern wund. Die Türmchen werden zu gigantischen Massiven, Türmen, Nadeln. Bis zu 80m hoch ragt das Konglomeratgestein über uns empor. Die absolute Symbiose aus Meteroa mit Gestein und Höhe sowie Ostrov mit seinen unendlich vielen Möglichkeiten und Felstürmen... We're psyched, yo! Alle Mühen sind vergessen.



chillen an unserer 1. Highline "Kaletoris"

 
Helmar arbeitet am Fixseil
2 Tage rennen und klettern und spielen wir durch die Gegend auf der Suche nach geeigneten Spots. Die alte Optikkrankheit schlägt wieder zu. Schaut man von der einen Seite, sieht alles gut aus. Läuft man nur 10m weiter, sind die Felsen plötzlich unterschiedlich hoch, kommt man schließlich dort an, ist der Gegenpart 100m weit entfernt oder zu dünn oder jetzt viel zu niedrig oder am besten gleich garnicht mehr vorhanden. Alles was wir finden ist uns zu niedrig, nicht exponiert genug oder einfach allgemein nicht lohnenswert genug um die lange Fahrt und den Aufwand zu rechtfertigen.
Entgegen der Empfehlung erst einmal nichts in Sichtweite der Stadt zu machen, fahren wir am frühen Abend zurück, mitten ins Hauptgebiet. Erstmal was essen, am besten von einem nahegelegenen Massiv mit guter Aussicht. So führt uns purer Zufall direkt vor Spot #1...

 
Fabian Rupprecht entspannt auf der "Kaletoris"-Line
So werte Leser, jetzt kommt der Teil wo's um Highlines geht. Die nötigen Fakten für eventuelle Wiederholer werden demnächst an www.highlinedatabase.com geschickt und hoffentlich dort integriert. Erstbegehungspotenzial ist aber bis zum Erbrechen gegeben.

Am nächsten Tag gibt's 2 Teams. Flo, Fabi und Clemens bohren und riggen an der Massivseite, Hannes und ich müssen die erste Psychokletterei starten. Erstens psycho, weil man fast immer selbst absichern muss. Das ginge eigentlich noch ganz gut, wenn das Gestein gut wäre. Man greift einen Kiesel und hat ab dann 'ne gute 50/50 Chance das er hält. Jederzeit könnten beide Tritte oder Griffe oder eine andere lustige Kombination aus beidem oder allem einfach nicht mehr da sein. Die beste Alternative liegt darin, fragile Kiesel auszubrechen und dann in das neu entstandene Loch zu fassen. PSYCHO! Packt die Helme ein. Außerdem habe ich den Kletterführer zu Hause vergessen, wir müssen also auf gut Glück unserer Nase hinterher klettern und hoffen das es klappt. Es klappt.

60m Jümaralptraum
Clemens kurz vor'm HM der "Kaletoris"



Die erste Line läuft also vom Massiv am Campingplatz (3 BH in einer Rinne) zum Riesenbaby (ebenfalls 3 BH). Wie immer 42m lang. Überhaupt erinnert alles sehr an "For your eyes only" in Meteora. Gestein, Fixpunkte, Umgebung. Nur alles irgendwie niedriger und netter. Wie auch immer, sauschöne Line, gerigged mit WhiteMagic und Dynamo-Backup, so wie ichs gern hab. Ich bekomme die Erstbegehung, irgendwie will sonst keiner. Gerne, denk ich mir und im zweiten Anlauf steh ich auf der anderen Seite. Die erste richtige Line im Jahr fühlt sich herrlich an, noch 2 mal in den Chongo und ich bin zurück. Name ist "Kaletoris", angelehnt an die Festungsanlage im Herzen Belogradchiks. Die anderen machens mir zügig nach, nur Clemens braucht seine Zeit. Er kann sich aber am nächsten Tag seinen bis dahin längsten HM abholen. Irgendein Bulgare filmt ihn und setzt den Spot auf Facebook. Innerhalb kürzester Zeit starten die wildesten Diskussionen, leider in Bulgarisch. Die Übersetzung lautet in etwa so: "FAKE!" HarHar!
 
Clemens bei der Erstbegehung von "Mexiko"

Der nächste Spot ist nur für's Auge. Hannes muss die Drecksarbeit machen und vorsteigen. Der Schwierigkeitsgrad schnellt in die Höhe, dafür gibt es wohl 'ne vierte Begehung überhaupt auf den Reiter. Die Nadel ist viel zu dünn bzw. steht halt im Weg, nach endlosen Diskussionen wird zumindest genau dieses Projekt abgebrochen. Geriggt wird dann mit TT direkt daneben vom Pferd rüber zum Kloster. 28 zarte Meter in der selben Höhe. Ohne Spuren, aber mit Beweisfots wird alles  wieder verlassen. Alle FM OS, außer Clemens, da fehlt das On-Sight aber er bekommt die Erstbegehung. Projektname ist "Mexiko", wer weiß wieso? Flo und Hannes tricken sich noch müde, ein Zustand der uns langsam alle beschleicht und nicht mehr so richtig weg will.

Helmar läuft bei bestem Licht "Godmode on"
 Neuer Tag, wieder klettern, wieder schleppen, wieder riggen und vor allem wieder mit Rucksack jümarn. Der Spot heißt Gemeinschaftsturm und wurde bereits 1969 erstbestiegen. Ein riesiger Block, der ein gigantisches Dach bildet ist Ausgangs- und Entscheidungspunkt für diese Line. Ich darf diesmal vorsteigen, Flo und Fabi seilen sich am gegenüberliegenden Massiv ab um zu bohren. Es kostet uns den ganzen Tag die Line aufzubauen. Der Wind weht brutal und bewegt die Line in kraftvollen Schwingungen. Es ist ein einziger Kraftakt den Flaschenzug still zu halten um nur allein die Potenz vorschieben zu können. Das Metal schlägt die Finger blutig, auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus. 

Am Abend will dann komischerweise niemand mehr laufen. Nicht mal den Versuch wagen. Der Wind ist fast weg, das Licht noch ausreichend und die Line liegt getapt vor uns. 48m lang, 50m hoch, wieder WhiteMagic mit Dynamoseil. Obwohl ich bereits eine Erstbegehung habe, tue ich das in meinen Augen einzig richtige und starte. Der Kampfmodus springt an. OS FM darf ich mir danach in die Statistik schreiben. Dieser "Diebstahl" wird mir zwar übelgenommen, war aber tatsächlich das Richtigste, wie sich am nächsten Tag zeigt.
 

Helmar im Godmode.*
Regen in der Nacht macht das Setup extrem schwer. Es ist arschkalt, jeder hat an was er hat, wir frieren trotzdem. Nur ich komme nennenswert weit. 5m vorm Ziel schüttelt's mich dann doch ab. Kein Kampfgeist mehr, ich bin's ja schon gelaufen... 
Blickfeld nach dem 2. Rajiki

Entsprechend gibt's 'nen Namen: "Godmode on" (aka "Merinomops" aka "Möpse und Rajiki"). Als wir am Abend zurück zum Auto kommen, feiert uns die spärliche Landbevölkerung für die Aktion. Es gibt Schnaps und Bier, schlechtes Englisch und ähnlich schlechte bulgarische Dancemusik. Die Gastfreundschaft ist riesig, wir müssen unbedingt weg, bevor sie uns allen Alkohol einschenken den sie haben...




Flo versucht das Unmögliche, fühlt sich aber trotzdem "Xylobromic!"
Zeit für was Großes. Zwischen Zigeunerburg und Verlassener Wand riggen wir irgendwas zwischen 60 und 70m, leider hat keiner von uns einen Laser dabei, aber keines der Kletterseile reicht von A nach B. Als Backup kommt daher nur Hannes' 110g/m Statikseil in Frage, welches unter anderem eine Begehung in den folgenden 2 Tagen unmöglich macht. Die Line kontrolliert uns, nicht umgedreht. Flo liefert mit 3x ca. 15 Schritten die beste Performance ab, ich denke das spricht für sich. Nen Namen haben wir uns trotzdem ausgedacht:" Xylobromic!"
Nebenan beginnen wir zusätzlich eine weitere Line zu spannen, welche der Auslöser für die wohl massivste schlechte Laune des Urlaubs werden sollte.. Unser WorkLoadLimit ist seit einiger Zeit erreicht und wir hocken darüber hinaus 24/7 aufeinander. Riggen ist im Gegensatz zum eigentlichen Laufen in meinen Augen das deutlich schwierigere und wichtigere beim Highlinen. Es zeigte sich, das wir trotz mehrerer gemeinsamer Trips mitunter doch sehr unterschiedliche Ansichten über einbohren und spannen haben.

Flo mit 70m Luft unterm und noch 60m Line vor'm Arsch.

Das TT reicht gerade so, wir müssen sogar noch einen Meter mit dem Pulley rausziehen bevor wir es in die Banane kriegen. Macht ziemlich genau 46m Länge zwischen Verlassener Wand und Hohem Turm. Das Band ist mit der Unterseite nach oben und läuft 90° verdreht aus dem Fixpunkt, der ganze Aufbau hat effektiv 2 ½ Tage gedauert... Naja, sicher ist es trotzdem also wird letzten Endes gelaufen. Fabi startet und legt definitiv die spannendste Begehung des Trips hin. Mehrfach läuft er über die Mitte und muss dann catchen. Mehrfach will er schon aufgeben, wir motivieren ihn weiter zu machen. Die Line ist an keiner Stelle ruhig zu kriegen, man sieht seine kontinuierliche Anstrengung, immer wieder fällt er fast. Das selbe Spiel auf dem Weg zurück. "Challenge Exepted" ist der passende Titel.
Fabi ascended first und excepted die Challenge.
Ich bin dran. Mein Ego fühlt sich vom letzten OS noch sehr wohl, bekommt aber sofort 'ne Klatsche. Ich schaffe den FM unter größter Anstrengung, meine Waden und Schienbeine brennen so stark das ich kaum noch auf dem Boden weiterlaufen kann. Hannes und Flo müssen am nächsten Tag nochmal ran. FM und HM gibt's, Clemens kann die Line leider nur als gutes Training verbuchen.
Fabi spielt.*
Während die anderen also nochmal laufen, starten Fabi und ich den zum letzten Spot. Die schönste Perle zum Schluss. Die Türme ragen am höchsten über Belogradchik auf, direkt neben der Festung. Es nennt sich das Kamel, ein Turm bildet den Kopf, der andere ist zweigeteilt und bildet die Höcker. Das einzige Problem ist der Zustieg. VIIIa in sächsischer Bewertung. Keiner von uns beiden hat so etwas schon mal geklettert. Ich beginne in der ersten Seillänge. Wie immer gruselig, aber noch stressfrei. Die deutlich härtere Seillänge darf Fabi machen. Von den 12 vorhanden Haken im Topo finden wir 5 vor. Einmal durch die Wand an morschen Schüppchen und vereinzelten Kieseln. Glücklich und ohne Sturz erreichen wir dann aber den Gipfel als 7. Seilschaft überhaupt. Wir legen ein Fixseil und starten zum nächsten Turm. Erstbegehung einer Kletterroute und wieder unter den TopTen der Besteigungen, die ersten seit 5 Jahren. Was machen die ganzen Sachsen denn all die Jahre hier, wenn nicht auf den Gipfel der Gipfel steigen? Naja, alles wurde mit Fixseilen versehen, Verbindung gelegt und schon mal eine Seite eingebohrt.
Double Knee auf dem Zügel des Kamels.*
Am letzten Tag, durch den orthodoxen Kalender ist hier erst jetzt Karfreitag, riggen wir die auffälligste Line von allen fertig. Busseweise Touristen sind auf der Festung und schauen uns zu, klatschen, rufen, jubeln. 21m misst die Line, 100m tief exponiert. Wir sind für Tricks und Swamis gerne zu haben. Flo bekommt seine Kürzel. FA FM OS im Swami. Überhaupt konnten alle OS und FM laufen. Wir haben mächtig Spaß bis Regen über uns hereinbricht. Nass bauen wir ab. Unten erfüllt uns das warme Gefühl der Erleichterung. Das war's. Endlich. Keine Anstrengungen mehr, niemand ist nennenswert verletzt. Bis auf das vorab kaputte Knie von Fabi, etlichen Schürfwunden, Schnitten (von scharfen Quarzkieseln!), Kratzern und Dornen in allen Gliedmaßen ging wieder mal alles glatt. Die 18h Rückfahrt ging dann fast leicht von der Hand. Blagodarja Bulgarien!
Ausserdem danke an Hannes Olszewski und Clemens Augustin (*) für die Fotos, Landcruising für's Material, Skylotec für's Material, Makita für die Makita, Deuter für den Rucksack, Yulian für den Support, Elke für den Bulgarientip und die Organisationshilfe, den ebenfalls dortigen Sachsen für Tips und Topo und Almus für die schönen Abende.

FM - FullMan, Highlinebegehung in beide Richtungen
HM - HalfMan, Highlinebegehung in eine Richtung
OS - OnSight, im ersten Versuch
Swami - lebensrettender Bauchgurt, in den man aber nicht stürzen sollte
TT - Threaded Tubular, das Schlauchband im Schlauchband
BH - Bohrhaken
jümarn - Aufstieg mit Steigklemmen am fixen Seil 

Feierabend, nicht nur am Kamel.

Montag, 16. April 2012

Urban Slackline Terrorists

Almost the same story in english, click here.
Es passiert langsam wieder was. Diesmal was Geheimes, da sich der Spot in der Tiefgrauzone befindet.
Diesmal nur Jordan und ich, ein paar fremde Fotografen und ein paar dumme, randalierende Kinder. Die Location ist ein altes Bahngebäude, perfekt symmetrisch und rund gebaut. Überall sind Scherben, Graffiti, Steine, Löcher, morsches Holz und jede Menge Stahl. Ein unwirklicher und bei weitem nicht alltäglicher Anblick mit der damit zusammenhängenden Neugier und Abenteuerlust liegt in der Luft. Alle Zugänge sind fest verbarrikadiert und Gewalt ist hier nicht das Zauberwort zum Öffnen der Tür. Zum Glück waren wir vor einigen Wochen bereits zum auschecken vor Ort und kannten den zwar mühsamen, alles in allem aber sichersten und schnellsten Weg ins Gebäude. Alles was man braucht ist ein Seil und 'n bisschen Skill..
Der Aufbau war ähnlich extravagant. Man spannt von einer Leiter aus, deren unterer Teil entfernt wurde und die somit einfach in der Luft hängt. Oben gibt zieht sich um den gesamten Kreis eine Plattform, allerdings kann man von dort extrem einfach durch die zerschlagenen Scheiben und aus allen Richtungen gesehen werden und wir wissen nicht, wer sich alles an unserer Aktion stören könnte. Die anfangs erwähnten dummen Kinder rennen auf dem völlig maroden Dach umher, wir haben Angst um sie und über die Tatsache, das eventuelle anrückendes Sicherheitspersonal unser so weit fortgeschrittenes Projekt noch beendet. Nichts passiert.
Jordan bekommt logischerweise die Erstbegehung auf dem fast übertrieben slacken Threaded Tubular-Webbing. Heute ausnahmsweise mit nem richtigen Gurt und ner kleinen Aufwärmphase. Ich kann mir n On-Sight erarbeiten und laufs gleich nochmal, wer weiß ob der Spass nicht doch noch unfreiwillig beendet wird. Überhaupt macht diese Unsicherheit des "man-könnte-gleich-erwischt-werdens" das Laufen um einiges schwieriger, kommt doch noch eine zusätzliche Nervositätskomponente in die ohnehin schon aufgewühlte Gedankenwelt.
Am Ende ist wie immer alles gut. In nur 3 Stunden ging alles glatt über die Bühne: reinkommen, riggen, mehrfach laufen, deriggen, rauskommen. Einmal mit nem Profi gearbeitet...
Schicke Fotos gabs nebenbei auch noch, natürlich von Jordan Tybon himself.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Battert

So, diesmal ein mir am Herzen liegender Beitrag und schonwieder mit Flo und wieder getrampt.. unheimlich..
Die rohen Fakten präsentieren eine Erstbegehung im Battert, meines Wissens erst die zweite Line an diesem viel zu unbekannten Klettergebiet nahe BadenBaden. Sie liegt zwischen Bismarckwand und Blockgrat, jeweils von den obersten Punkten der beiden Massive, welche mit Schlingen umlegt wurden.

Ca. 45m lang und an der tiefesten Stelle genauso tief, oldschool Setup mit WhiteMagic und Statikseil und ordentlich slack.
Flo hatte Probleme mit den Handgelenken, ich zog also allein, bis mir die Lust ausging. Scheinbar zu früh, die erste Begehung ließ ein bisschen auf sich warten und benötigte dringend mehr Spannung, besonders nachdem sie einen Tag lang im Regen hing. Dann gings wie immer sofort.. die Line hört auf den Namen "Joster".

Weiter zum wichtigen Part: Wir trafen vor allem am ersten Tag nicht nur auf Begeisterung.
Hier die Top-Sprüche: "Ich hab dafür kein Verständnis!", "Man kann doch nicht machen was man will!" und "Das ist doch hier kein Spielplatz!". Was er damit meine, kann der ältere Herr jedoch nicht näher beschreiben, Argumente fehlen komplett. Auch die Frage, warum er sich dann erlaube hier zu klettern wird nicht beantwortet. Na das kennt man ja schon, die Laune hebt's trotzdem nicht.

Wenig später erscheint ein weiterer Herr und fotografiert unsere Fixpunkte. Als wir uns ihm nähern, werden wir mit folgenden (wenigstens sinngemäßen) Worten begrüßt: "Slacklinen ist hier verboten, baut sofort ab, ich ruf die Polizei und erstatte Anzeige!".
Meine Theorie, das in Baden was Komisches im Trinkwasser sein muss verhärtet sich. Warum kann man sich nicht wie ein normaler Mensch verhalten, der sich sachlich mit uns auseinandersetzt? Mit ein bisschen Mühe kann sogar ich freundlich sein... aber wir kennen das ja bereits aus Sachsen, Franken und der Schweiz.

Der Herr stellte sich allerdings bereits nach weiteren 30 Sekunden als Doch-nicht-Idiot heraus und beginnt sogar produktiv zu argumentieren.

Vor einiger Zeit wurde im Battert eine Highline an Kletterhaken gespannt und diese verbogen, ausserdem wurde ein Felskopf/block bewegt. Unschöne und deutlich vermeidbare Fehler.
Trotzdem schade, dass hier wieder nur pauschalisiert wird, denn alle seine Argumente treffen bei uns einfach nicht zu. Und ökologisch "schlimmer" als Kletterer oder Touristen sind wir auf garkeinen Fall. In Zukunft kann ich also nur an alle Nachahmer und Highlineanfänger appellieren, sich mit dem derzeitigen Highlinewissen genauer auseinanderzusetzen und auf fragwürdige Linien zu verzichten.
Ich würde an dieser Stelle einfach mal ein paar (in meinen Augen völlig selbstverständliche) Regeln posten:

- keine Kletterhaken belasten
- nur an ausreichend (über)dimensionierten, verwachsenen Felsköpfen spannen
- Verbote (Bohrhaken setzen, Felssperrungen) akzeptieren
- Kräftedreieck richtig aufbauen
- Müll mitnehmen
- Steinschlag vermeiden
- Routen nicht belegen

Der Arbeitskreis Battert möchte ein vollständiges Verbot mit Bußgeld als Strafe einführen. Damit wäre er der erste, der soetwas amtlich durchsetzen würde. Leider sitzt wie immer kein Highliner mit am Lobbytisch, der Irrtüme aufklären und sich an einer möglichen Kompromissfindung beteiligen würde. Kennt da jemand jemanden aus der Ecke?

Naja, schön wars trotzdem, es gab auch wieder zahlreiche Leute, für die Tradition nicht an erste Stelle steht und die offen für Neues sind. Danke an Martin, Flos Eltern und alle die beim Trampen anhalten und uns mitnehmen.

Freitag, 7. Oktober 2011

Verdon

Seit langem warte ich auf Fotos, lange hatte ich keine Zeit. Flo hingegen war fleissig und hat ein Video gebastelt, das ich allen Nicht-Facebook-Menschen nicht vorenthalten möchte.
Ein Bericht und Fotos folgen hoffentlich noch garantiert. Man beachte den Wind. Man beachte, dass das Video von Flo Hänsn gemacht und geschnitten wurde und wir uns nicht um den Inhalt von Dritten scheren, aber Danke!
Safety third!


Verdon... from Flo Hänsn on Vimeo.

Kost Castle

üben auf 79m Highline
Chriss Krr läuft im AF-Style
Studium ist durch, weiter geht's mit dem abenteuerlicherem Teil vom Leben.
Raus aus der Uni, rein nach Tschechien. Kwjet, Ančee, Petr und sicher noch ein paar andere haben nicht nur einen extravaganten Spot organisiert, sondern direkt noch jeden mit Zeit eingeladen mitzuspielen. Spielfeld war der Burghof von Kost Castle sowie dessen Mauern und umgebenden Sandsteinfelsen, Spielregeln waren folgende: Zieh dich so bekloppt wie möglich (aber irgendwie im Ansatz mittelalterlich) an und lauf und tricke vor normalen Burgtouristen. Nebenbei sind diese immer ein gutes Publikum..
Flo Hänsn post für Kamera





Teilnehmer gab es viele, vor allem Anfänger nahmen den relativ weiten Weg auf sich um sich auszuprobieren oder besser zu werden. Leider gab es nur 2 kleine Lines, eine ca. 15, die andere 20m lang. Zweitere recht slack, da sie an einem Auto fix gemacht wurde und die Burgmauer lediglich als überdimensionierter A-Frame diente. Danach ging es übergangslos mit 69 m und 80 m Länge weiter. Im wahrsten Sinne echt schwere Lines. Nur wenige konnten sie laufen, ich gehörte leider nicht dazu. Naja, diese Saison hab ich auch weitestgehend verpasst, dafür gab's 2 Swamiwalks, sogar mit Kostüm.
Die 80er wurde mal wieder nur von Alex S. gefullmant, zum Diss aller auch nochmal im Swami. Respektinger!

Wie auch immer, schön war's! Nächstes Jahr soll das Ganze wieder stattfinden. Dann allerdings noch größer, besser und sowieso mehr von allem (sagt auch der Burgherr!). 







Montag, 19. September 2011

Unter die Arme gegriffen!

Hiermit wollen wir stolz mitteilen, dass wir unsere Equipmentsammlung deutlich aufrüsten konnten.
Großer Dank geht an Skylotec! Mit 440m verschiedenstem Seil, neuen Gurten und Rigging Plates wurden die Steigklemmen und Helme ergänzt.
Wir hoffen in Zukunft das ein oder andere Projekt mit ihnen realisieren zu können, für die wir allein nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung hätten.
Den Link findet ihr rechts oben (so halb).

 

Ausserdem gab's von Deuter neue Rucksäcke für rückenschonendes Arbeiten. Unglaublich wie wir das vorher ausgehalten habe.. hier auch ein dickes Dankeschön und wer immer noch denkt 30kg wären schwer, sollte das Ganze mal mit einem neuem Rucksack genauso neu bewerten..


Na dann, auf ein fleissiges Benutzenpoputzen!

Montag, 29. August 2011

Galileo - Highline



Endlich! Viel Spass damit, einfach auf das Bild klicken! Entschuldigt den flachen Witz.
Es geht natürlich nur um den letzten Beitrag. Man bekommt das nicht einzeln, ihr müsst also leider kurz die Werbung abwarten.
Ich bin natürlich, anders als vorgestellt, immernoch Landcruising-Teammitglied!
Und benutzt Ringe und keine Karabiner zur Sicherung..das war nämlich die Ursache für den ersten und hoffentlich einzigen Highline-Todesfall!
Eventuell wird die Meckerliste noch erweitert.
Ansonsten echt gut gelungen.

Den Bericht zum Beitrag findet ihr hier!